Historie der KFB

Das Ende der Welt

Es ist keine Überraschung, als es im Oktober 1962 im Zuge der sowjetischen Stationierung von Mittelstreckenraketen auf Kuba zu politischen und teilweise militärischen Zusammenstößen der Machtblöcke kommt. Die Sovietunion hat vorgesorgt; seit den 50er Jahren durchlöchern riesige Bunkeranlagen den Grund der Sowjetstaaten wie die Bohrgänge von Borkenkäfern, groß genug um Abertausende zu schlucken und für Jahrzehnte mit dem Nötigsten zu versorgen.

Der letzte Tag

Der 26. Oktober 1962 ist der letzte Tag, über den die alten Aufzeichnungen berichten. Die Alarmsirenen heulen auf – es ist Zeit für die Aktivierung der geheimen Pläne. Und die Tore der Bunker öffnen sich für die Auserwählten: Intellektuelle, Militärs, Arbeiter, Bauern – alle pfercht man sie darin zusammen. Hinter ihnen verzahnen sich die gigantischen Verriegelungen, stählern und unwiderruflich. Der Lichtstrahl im Torspalt wird schmäler und schmäler, bis er verschwunden ist. Es soll das letzte Sonnenlicht für viele hundert Jahre sein.

Die Menschen in den Bunkern beginnen, sich zu arrangieren. Für alles gibt es Pläne, jeder hat seinen Platz. Es gibt keinen Raum für Querulanten. Man reinigt Filter, kompostiert Exkremete, bestellt die Pflanzen der unterirdischen Treibhäuser, pflegt das Vieh in den endlosen Stallanlagen. Wirkt, forscht, lebt – überlebt, während die Zeit vor den Bunkern mehr und mehr in Vergessenheit gerät.

Auferstanden aus dem Bunker

Bis zu jenem Tag, als die Zeitschaltuhren mit einem plötzlichen Klicken ablaufen. Uralte Steuerungspulte erwachen zum Leben, kreischend lösen sich die Verriegelungsbolzen an den Toren. In die festgefahrenen und tradierten Strukturen der Bunker gerät fieberhafte Bewegung. Alte und verstaubte Akten werden aus den Archiven gesucht, die offiziellen Pläne für die Zeit nach dem Bunker. Sie enthalten kaum mehr als allgemeine Anweisungen und Protokolle aus einer Zeit, die so unendlich weit weg scheint.

Das Jahr 0 HB wird geschrieben.

Nun ist die Bewährungsprobe der Nachfahren der alten Militärs gekommen. Über Generationen hinweg wurden sie nach den den alten Vorschriften und Handbüchern gedrillt, standen vor den Waffenlagern ihrer Vorväter sinnlose Wachen, und doch hat keiner von ihnen je mehr als ein paar Schuss auf den Schießständen abgefeuert. Niemand weiß, was sie dort oben erwartet.

Die Erkundungstrupps offenbaren: Die Welt ist zur Wüste geworden. Der Boden ist sauer, die Gewässer umgekippt, die Landschaft pockennarbig von den Einschlägen längst weggerosteter Geschosse. Und doch ist dort oben Leben, kleine Siedlungen, vergessene Häufchen Zivilisation, urbare Flecken mühselig bestellten Landes.

Es gibt Hoffnung für das verdorrte Mutterland – und der rote Bär ist entschlossen, sie zu verbreiten!

Der Rote Vormarsch

Die Eroberung der ersten Kilometer rund um die Bunker verläuft schnell und einfach. Volle Magazine und die komplette Überraschung der wenigen Siedler in den abgelegenen Gegenden lassen keinen ernsthaften Widerstand zu. Stützpunkte werden ausgebaut und mit Bunkerbewohnern besiedelt. Aus den unterirdischen Nutztier- und Nährmittelproduktionshallen heraus startet man Zuchtversuche eines oberflächentauglichen Agrarwesens. Der Erfolg bleibt mäßig, genügt allerdings, um die Grundlage für die ersten vollständig barinistischen Oberflächensiedlungen zu schaffen.

Doch der Vormarsch gerät allzu schnell ins Stocken: Bei weitem nicht alle Ödländer sind der neuen Macht freundlich gesonnen und sind dabei wesentlich besser an die feindselige Umgebung angepasst.

 

Der Zusammenbruch

Die penible Planung der Vorväter wird durch die Realität ins Wanken gebracht. Das an Ressourcen arme Ödland und die begrenzten fruchtbaren Flächen machen die Kalkulationen nutzlos. Die Lagerbestände gehen allmählich zur Neige, die Ausdehnung der Kontrollzonen und die Ausbeutung der Ressourcen kann mit dem Bedarf nicht mehr Schritt halten.

Man beschleunigt die Ausdehnungen der Grenzen noch weiter, um neue Ressourcenquellen zu erobern, errichtet Vorposten und versucht, weitere Bunkerbewohner dort anzusiedeln. Doch dem durch die Generation im Reinraum der Bunker geschwächten Immunsystem macht die Wildnis zu schaffen; Krankheiten und Witterungsbedingungen fordern beinahe ebenso hohe Verluste wie Mutanten und feindlich gesinnte Ödländer.

Die Zahl der freiwilligen Aussiedler aus den Bunkern sinkt drastisch; niemand möchte den Schutz und die eingespielte Logistik der Bunker mehr verlassen, obwohl deren Kapazitäten zur Neige gehen.

Mangels zwischengeschalteter Produktionsstätten brechen die überdehnten Versorgungsrouten schließlich zusammen, besonders in den Randgebieten kommt es zu Versorgungsengpässen und Hungersnöten. Etliche Vorposten werden nur wenige Jahre nach ihrer Gründung wieder aufgegeben.

Geburt der Bunkerstädte

Viele versuchen, zurück in die Heimat und Sicherheit der Bunker zu flüchten. Doch deren Kapazitäten sind erschöpft – den Landflüchtlingen muss der Zugang verwehrt werden.
Vor den Toren bilden sich Slums aus Elend und Hunger. Unruhen fordern die Regierung heraus. Nur mühsam gelingt es, diese zu unterdrücken. Die Armee steht zum ersten mal gegen das eigene Volk. Man sendet humanitäre Hilfsleistungen aus den ohnehin schon überforderten Bunkerproduktionen. Wie Parasiten umgeben die Slums die Bunkereingänge und nähren sich vom lebhaften Verkehr zwischen den Bunkern und den entlegenen Siedlungen. Bald entwickeln sie sich zu Umschlagspunkten eines blühenden Schwarzmarkts. Die Situation kann über Jahre nicht verbessert werden, bis neue Funktionäre ihre Plätze im Politbüro einnehmen und Hoffnung machen.

Barin, der Erneuerer

Ein junger Parteifunktionär in der Wirtschaftskommission ist schließlich der erste, der in den Slums statt einem zehrenden Tumor echtes wirtschaftliches Potential sieht. Er legt Pläne vor, die sie aktiv in die Produktionsposten mit einbeziehen und als wichtige Güterumschlagspunkte vorsehen.

Sein Name ist Victor Aleksejewitsch Barin. Und sein Plan geht auf: Die Slums entwickeln sich bald zu fluktuierenden Städten.

Sein Scharfsinn, aus den Missständen das rechte Potential für eine Veränderung ziehen, beschert Barin höchsten Zuspruch im Volk. Mit Plänen, Visionen und Kompromisslosigkeit schreitet er voran. Sein Erfolg trägt ihn die Leiter der Parteihierarchie weiter hinauf, bis er Parteisekretär und schließlich Vorsitzender des Politbüros wird. Mit steigender Macht wächst auch sein Reformhunger und seine Kompromisslosigkeit.

Der Zwei-Punkte-Plan

Barin entwickelt ein schonungsloses Auswahlverfahren, über das die Familien besonders fähiger Arbeiter in entferntere Oberflächengebiete zwangsausgesiedelt werden. Auf durch wissenschaftliche Methodiken geprüften und logistisch wertvollen Standpunkten sollen sie Kolchosen gründen, um das hungrige Volk zu ernähren oder die Rohstoffe abzubauen, die die Produktions- und Forschungsanlagen so dringend benötigen.

Der Parteivater hat erkannt, dass in der rückwertigen Orientierung zu den Bunkern keine Zukunft liegt und das Volk nur durch Expansion und das Erringen neuer, fruchtbarer Ackerflächen wieder zu Wohlstand kommen kann.

Er formuliert den Zwei-Punkte-Plan: Forschung und Expansion.

Die Forschung ist auf der Suche nach Wegen, das verweste Mutterland wieder urbar und Mensch und Tier der lebensfeindlichen Umgebung überlegen zu machen, sowie militärisch brauchbare Technologien voran zu bringen.
Ergänzend dazu steht die Expansion, um das wenige an fruchtbaren Böden und Ressourcen des Ödlandes der Heimat einzuverleiben und neue Handelspartner zu finden.

Die Maßnahmen zeigen Wirkung, die Versorgungslage verbessert sich, wenn auch nur langsam. Das Produktionsmonopol verlagert sich von den Bunkern immer mehr in die auswärtigen Siedlungen.

Die April-Revolution

Den alten, feisten Generälen und selbsternannten Bunkerzaren freilich passt das wenig, da es ihren Einfluss bedeutsam schmälert.

Im April 17HB verüben sie ein Attentat auf den Volksfreund Barin. Dieser jedoch kann verwundet nach Minsk fliehen. Von dort unterrichtet er das Volk von seinem Überleben und ruft zur Revolution gegen die hinterhältigen Vatermörder auf, die in ihren Führungsbunkern das wahre Wesen des Sozialismus vergessen und zu ihrer Bereicherung entstellt haben.

Von seinem Wohltäter überzeugt stürzt sich das Volk in den Kampf gegen das Regime der Moskauer Führungsbunker. Die Kämpfer geben sich selbst der Namen “Rote Front für Barin”. Kracnija Front sa Barina. Es kommt zu verheerenden Straßenschlachten und verbissenen Kämpfen. Stützpunkt um Stützpunkt wird durch barinistische Revolutionäre errungen. Es geht ein Riss durch das Gebiet der ehemaligen Neuen Sovietunion. Der Westen wendet sich ab von Moskau und vereinigt sich unter Barins glorreicher Führung zur Freien Barinistischen Volksrepublik.

Aufbruch nach Westen

Die Bunkeranlage Minsk wird zum neuen Zentralbunker ernannt – von hier aus soll der Barinismus aufblühen. Aus dem Teil des Militärs, der ihm treu geblieben ist, reformiert er die Armee der Freien Barinistischen Volksrepublik. Im Gedenken an die tapferen Gefechte der Aprilrevolution wird der Name „Kracnija Front sa Barina“ beibehalten. Die KFB ist geboren.

Sie ist es, die für ihn kämpft, sowohl auf den Feldern der Teslawissenschaft, als auch im von Gräben und Stacheldraht durchzogenen Ödland. Jene tapferen Wissenschaftler und Soldaten haben ihr Leben dem Fortschritt verschrieben, dem das großartige und stolze Volk Barins entgegen schreitet.

Und diese Soldaten sind wir, welche sich geschworen haben, die Freie Barinistische Volksrepublik, die barinistische Ideologie und das Volk unseres Mutterlandes mit unserem Leben vor den zahlreichen Feinden des Ödlands schützen.

Sa Barina! Für Barin!

Oktober 18, 2017
Kolja Iljushin