Historie der KFB

Das Ende der Welt

Von den heutigen Barinisten weiß niemand mehr genau, was damals geschehen ist und wie lange es her ist. Sicher ist: Das Wettrüsten zwischen Ost und West vor hunderten von Jahren ist eskaliert. Welch Glück für die Barinisten, dass die damalige Regierung vorgesorgt hat; riesige Bunkeranlagen durchlöcherten den Grund der damaligen Sowjetstaaten wie die Bohrgänge von Borkenkäfern, groß genug um Abertausende zu schlucken und für Jahrzehnte mit dem Nötigsten zu versorgen.

Der letzte Tag

Die Alarmsirenen heulen auf – es ist Zeit für die Aktivierung der geheimen Pläne. Und die Tore der Bunker öffnen sich für die Auserwählten: Intellektuelle, Militärs, Arbeiter, Bauern – alle pfercht man sie darin zusammen. Hinter ihnen verzahnen sich die gigantischen Verriegelungen, stählern und unwiderruflich. Der Lichtstrahl im Torspalt wird schmäler und schmäler, bis er verschwunden ist. Es soll das letzte Sonnenlicht für viele hundert Jahre sein.

Die Menschen in den Bunkern beginnen, sich zu arrangieren. Für alles gibt es Pläne, jeder hat seinen Platz. Es gibt keinen Raum für Querulanten. Man reinigt Filter, kompostiert Exkremete, bestellt die Pflanzen der unterirdischen Treibhäuser, pflegt das Vieh in den endlosen Stallanlagen. Wirkt, forscht, lebt – überlebt, während die Zeit vor den Bunkern mehr und mehr in Vergessenheit gerät.

Auferstanden aus dem Bunker

Bis zu jenem Tag vor über zwanzig Jahren, als die Zeitschaltuhren mit einem plötzlichen Klicken ablaufen. Uralte Steuerungspulte erwachen zum Leben, kreischend lösen sich die Verriegelungsbolzen an den Toren. In die festgefahrenen und tradierten Strukturen der Bunker gerät fieberhafte Bewegung. Alte und verstaubte Akten werden aus den Archiven gesucht, die offiziellen Pläne für die Zeit nach dem Bunker. Sie enthalten kaum mehr als allgemeine Anweisungen und Protokolle aus einer Zeit, die so unendlich weit weg scheint.

Das Jahr 0 HB – das Jahr der Bunkeröffnung – wird geschrieben und eine neue Zeitrechnung bricht an.

Nun ist die Bewährungsprobe der Nachfahren der alten Militärs gekommen. Über Generationen hinweg wurden sie nach den den alten Vorschriften und Handbüchern gedrillt, standen vor den Waffenlagern ihrer Vorväter sinnlose Wachen, und doch hat keiner von ihnen je mehr als ein paar Schuss auf den Schießständen abgefeuert. Niemand weiß, was sie dort oben erwartet.

Die Erkundungstrupps offenbaren: Die Welt ist zur Wüste geworden. Der Boden ist sauer, die Gewässer umgekippt, die Landschaft pockennarbig von den Einschlägen längst weggerosteter Geschosse. Und doch ist dort oben Leben, kleine Siedlungen, vergessene Häufchen Zivilisation, urbare Flecken mühselig bestellten Landes.

Es gibt Hoffnung für das verdorrte Mutterland – und der rote Bär ist entschlossen, sie zu verbreiten!

Tipp: Wenn du bei der Charaktererstellung ein Geburtsdatum festlegen möchtest, zähle die Jahre „vor der Bunkeröffnung“ (kyrr. CB) oder „nach der Bunkeröffnung“ (kyrr. HB). Rechne so, als habe das Jahr 0HB, also die Bunkeröffnung, im Jahr 2000 stattgefunden. Wenn du also zum Beispiel OT im Jahr 1995 geboren bist, ist dein Charakter dementsprechend 05CB geboren (=5 Jahre VOR der Bunkeröffnung), damit das Alter deines Charakters mit deinem OT-Alter übereinstimmt.
Umgekehrt bespielen wir im OT-Jahr 2022 das IT-Jahr 22HB.
Beachte: Die Bunker nicht im echten Jahr 2000 geöffnet worden – welches Jahr wir nach OT-Zeitrechnung bespielen würden, ist absichtlich nicht definiert, um sich mit anderen Endzeit-Hintergründen nicht in die Wolle zu kriegen.

Der Rote Vormarsch

Die Eroberung der ersten Kilometer rund um die Bunker verläuft schnell und einfach. Volle Magazine und die komplette Überraschung der wenigen Siedler in den abgelegenen Gegenden lassen keinen ernsthaften Widerstand zu. Stützpunkte werden ausgebaut und mit Bunkerbewohnern besiedelt. Aus den unterirdischen Nutztier- und Nährmittelproduktionshallen heraus startet man Zuchtversuche eines oberflächentauglichen Agrarwesens. Der Erfolg bleibt mäßig, genügt allerdings, um die Grundlage für die ersten vollständig barinistischen Oberflächensiedlungen zu schaffen.

Doch der Vormarsch gerät allzu schnell ins Stocken: Bei weitem nicht alle Ödländer sind der neuen Macht freundlich gesonnen und sind dabei wesentlich besser an die feindselige Umgebung angepasst.

Der Zusammenbruch

Die penible Planung der Vorväter wird durch die Realität ins Wanken gebracht. Das an Ressourcen arme Ödland und die begrenzten fruchtbaren Flächen machen die Kalkulationen nutzlos. Die Lagerbestände gehen allmählich zur Neige, die Ausdehnung der Kontrollzonen und die Ausbeutung der Ressourcen kann mit dem Bedarf nicht mehr Schritt halten.

Man beschleunigt die Ausdehnungen der Grenzen noch weiter, um neue Ressourcenquellen zu erobern, errichtet Vorposten und versucht, weitere Bunkerbewohner dort anzusiedeln. Doch dem durch die Generation im Reinraum der Bunker geschwächten Immunsystem macht die Wildnis zu schaffen; Krankheiten und Witterungsbedingungen fordern beinahe ebenso hohe Verluste wie Mutanten und feindlich gesinnte Ödländer.

Die Zahl der freiwilligen Aussiedler aus den Bunkern sinkt drastisch; niemand möchte den Schutz und die eingespielte Logistik der Bunker mehr verlassen, obwohl deren Kapazitäten zur Neige gehen.

Mangels zwischengeschalteter Produktionsstätten brechen die überdehnten Versorgungsrouten schließlich zusammen, besonders in den Randgebieten kommt es zu Versorgungsengpässen und Hungersnöten. Etliche Vorposten werden nur wenige Jahre nach ihrer Gründung wieder aufgegeben.

Geburt der Bunkerstädte

Viele versuchen, zurück in die Heimat und Sicherheit der Bunker zu flüchten. Doch deren Kapazitäten sind erschöpft – den Landflüchtlingen muss der Zugang verwehrt werden.
Vor den Toren bilden sich die Truschobi, Slums aus Elend und Hunger. Unruhen fordern die Regierung heraus. Nur mühsam gelingt es, diese zu unterdrücken. Die Armee steht zum ersten mal gegen das eigene Volk. Man sendet humanitäre Hilfsleistungen aus den ohnehin schon überforderten Bunkerproduktionen. Wie Parasiten umgeben die Truschobi die Bunkereingänge und nähren sich vom lebhaften Verkehr zwischen den Bunkern und den entlegenen Siedlungen. Bald entwickeln sie sich zu Umschlagspunkten eines blühenden Schwarzmarkts. Die Situation kann über Jahre nicht verbessert werden, bis neue Funktionäre ihre Plätze im Politbüro einnehmen und Hoffnung machen.

Barin, der Erneuerer

Ein junger Parteifunktionär in der Wirtschaftskommission ist schließlich der erste, der in den Truschobi statt einem zehrenden Tumor echtes wirtschaftliches Potential sieht. Er legt Pläne vor, die sie aktiv in die Produktionsposten mit einbeziehen und als wichtige Güterumschlagspunkte vorsehen.

Sein Name ist Victor Aleksejewitsch Barin. Und sein Plan geht auf: Die ehemaligen Slums entwickeln sich bald zu fluktuierenden Städten.

Sein Scharfsinn, aus den Missständen das rechte Potential für eine Veränderung ziehen, beschert Barin höchsten Zuspruch im Volk. Mit Plänen, Visionen und Kompromisslosigkeit schreitet er voran. Sein Erfolg trägt ihn die Leiter der Parteihierarchie weiter hinauf, bis er Parteisekretär und schließlich Vorsitzender des Politbüros wird. Mit steigender Macht wächst auch sein Reformhunger und seine Kompromisslosigkeit.

Der Zwei-Punkte-Plan

Barin entwickelt ein schonungsloses Auswahlverfahren, über das die Familien besonders fähiger Arbeiter in entferntere Oberflächengebiete, sogenannte Sochosen, zwangsausgesiedelt werden. Auf durch wissenschaftliche Methodiken geprüften und logistisch wertvollen Standpunkten sollen sie die Sowchosen bearbiten, um das hungrige Volk zu ernähren oder die Rohstoffe abzubauen, die die Produktions- und Forschungsanlagen so dringend benötigen.

Der Parteivater hat erkannt, dass in der rückwertigen Orientierung zu den Bunkern keine Zukunft liegt und das Volk nur durch Expansion und das Erringen neuer, fruchtbarer Ackerflächen wieder zu Wohlstand kommen kann.

Er formuliert den Zwei-Punkte-Plan: Forschung und Expansion.

Die Forschung ist auf der Suche nach Wegen, das verweste Mutterland wieder urbar und Mensch und Tier der lebensfeindlichen Umgebung überlegen zu machen, sowie militärisch brauchbare Technologien gegen die Roboti voran zu bringen.
Ergänzend dazu steht die Expansion, um das wenige an fruchtbaren Böden und Ressourcen des Ödlandes der Heimat einzuverleiben und neue Handelspartner zu finden.

Die Maßnahmen zeigen Wirkung, die Versorgungslage verbessert sich, wenn auch nur langsam. Das Produktionsmonopol verlagert sich von den Bunkern immer mehr in die auswärtigen Sowchosen.

Die April-Revolution

Den alten, feisten Generälen und selbsternannten Bunkerzaren freilich passt das wenig, da es ihren Einfluss bedeutsam schmälert.

Im April 17HB verüben sie schließlich ein Attentat auf den Volksfreund Barin. Dieser jedoch kann verwundet fliehen – in den Bunker PO-01-B01, der seitdem im Volksmund auch Baringrad genannt wird. Von dort unterrichtet er das Volk von seinem Überleben und ruft zur Revolution gegen die hinterhältigen Vatermörder auf, die in ihren Führungsbunkern das wahre Wesen des Sozialismus vergessen und zu ihrer Bereicherung entstellt haben.

Von seinem Wohltäter überzeugt stürzt sich das Volk in den Kampf gegen das alte Regime. Die Kämpfer geben sich selbst der Namen “Rote Front für Barin”. Kracnija Front sa Barina. Es kommt zu verheerenden Straßenschlachten und verbissenen Kämpfen. Stützpunkt um Stützpunkt wird durch Barinistische Revolutionäre errungen – und unter Barins glorreicher Führung zum „NAMEEINFÜGENVERBUND“ vereint.

Aufbruch nach Westen

Die alten Staatsbegriffe werden verboten und Barins eigene Ideologie zur einzigen Wahrheit erklärt. Die Bunkeranlage Baringrad wird zum neuen Zentralbunker ernannt – von hier aus soll der Barinismus aufblühen.  Aus dem Teil des Militärs, der ihm treu geblieben ist, reformiert er die Armee des „NAMEEINFÜGENVERBUNDS“. Im Gedenken an die tapferen Gefechte der Aprilrevolution wird der Name „Kracnija Front sa Barina“ beibehalten. Die KFB ist geboren.

Sie ist es, die für ihn kämpft, sowohl auf den Feldern der Teslawissenschaft, als auch im von Gräben und Stacheldraht durchzogenen Ödland. Jene tapferen Wissenschaftler und Soldaten haben ihr Leben dem Fortschritt verschrieben, dem das großartige und stolze Volk Barins entgegen schreitet.

Und diese Soldaten sind wir, welche sich geschworen haben, den „NAMENEINFÜGENVERBUND“, die Barinistische Ideologie und das Volk unseres Mutterlandes mit unserem Leben vor den zahlreichen Feinden des Ödlands schützen.

Sa Barina! Für Barin!

Oktober 18, 2017
Kolja Iljushin