Der russische Feldspaten (Saperka) als Werkzeug oder LARP-Waffe

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Inhalt:

  1. Was ist eine Saperka und wofür benutzen wir sie?
  2. Wie kann ich einen LARP-Feldspaten selber bauen? (Anleitung)
  3. Wo kann ich einen Feldspaten kaufen?
  4. Gibt es Alternativen zum Feldspaten?

Was ist eine Saperka und wofür benutzen wir sie?

Der Feldspaten (russisch: Saperka), auch Pionierspaten, gehört zum Sturmgepäck des barinistischen Armisten (s. Feldhandbuch § 2.1 a). Das Mitführen einer Nahkampfwaffe ist für jeden Mannschafter der Infanterie in der KFB Pflicht und die Saperka ist diesbezüglich sicherlich der Goldstandard.

In der KFB nutzen wir die Saperka überwiegend als Nahkampfwaffe, da wir auf den wenigsten Geländen Schanzarbeiten durchführen können oder dürfen. Eine Möglichkeit ist die Verwendung einer echten UND einer LARP-Saperka. So kannst du je nach Bedarf auch echte Schanzarbeiten machen, und hast bei der echten auch gleich die zugehörige Original-Stofftasche für den Koppelgürtel dabei, welche du auch für die LARP-Waffe nutzen kannst. Das ist auf jeden Fall keine schlechte Investition, da ein handlicher Feldspaten in allen Bereichen unseres Hobbies und auch anderer Outdoor-Hobbies nützlich ist.

Saperka ist die russische Bezeichnung für sogenannte Feldspaten. Feldspaten sind Vorläufer und enge Verwandte von Klappspaten. Die ersten Klappspaten kamen zur Zeit des zweiten Weltkrieges auf. Soldaten aller Nationen trugen diese als Teil der Standardausrüstung, um im Feld Schanzarbeiten durchführen zu können. Bereits im ersten Weltkrieg wurden die Feldspaten für ihre Vielseitigkeit bekannt. Nicht nur zum Stechen und Buddeln können Sie genutzt werden, auch als Ersatz für Axt oder Machete.

Im ersten wie auch zweiten Weltkrieg kam die Saperka oft im Nahkampf zum Einsatz. Sie gilt als besonders rohe und brutale, aber effektive Waffe, wenn man gerade nichts anderes zur Hand hat.

Anleitung: LARP-Feldspaten selber bauen

Nur einen LARP-Feldspaten zu bauen, lohnt kaum den Aufwand, außer du hast schon Materialien zum Larp-Waffenbau da. Frag also am besten gleich mal bei deinen Kontakten und vor allem in der KFB rum, ob noch jemand einen Feldspaten braucht.

Ich habe eine Einkaufsliste zusammengestellt – natürlich kannst du auch äquivalente Produkte verwenden. Der Einfachheit halber stammen die Meisten von einem Hersteller, sodass du Nerven und Versandkosten sparen kannst. Diese Materialien habe ich auch verwendet und die Verarbeitung war definitiv sehr komfortabel.

Möchtest du gleich mehrere Saperkas bauen, dann stellt jeder Absatz im folgenden Text einen Arbeitsschritt dar, welchen du dann immer so oft wiederholen solltest, wie du Spaten bauen willst. Gehe erst dann zum nächsten Arbeitsschritt über, wenn du die gesamte Anzahl fertig hast. So bist du maximal Zeiteffizient!

Materialliste:

Den Schaufelkopf der Saperka formen

LARP-Feldspaten-basteln-Schaufelkopf
Die aufgeklappte Form auf den Schaumstoff übertragen

Zunächst solltest du den Umriss des Schaufelkopfes auf den Schaumstoff zeichnen. Dabei sollte die Tülle natürlich aufgeklappt sein. Am einfachsten geht es mit einem Original als Vorlage – ansonsten kannst du mit einem Klick das Bild vergrößern und mit dem Zollstock die ungefähren Maße nehmen.

Im zweiten Schritt schneidest du die Schaufelköpfe mit dem Cutter aus. Achte dabei auf die Unterlage. Holztische und Fußböden zerkratzen sehr leicht, lege etwas darunter oder nutze eine Werkbank oder eine andere Unterlage, bevor du schneidest. Versuche immer möglichst in einem Schnitt zu schneiden. Nach dem Ausschnitt solltest du die Form einmal umdrehen und Grate und andere hässliche Stellen in der Schnittkante mit dem Messer entfernen.

Ofenfertige Saperka

Als nächstes formen wir den Schaufel-Rohling. Dazu müssen wir ihn in die finale Form bringen. Ich habe die Rohlinge dazu einfach auf eine Original-Schaufel aufgebracht und mit Tape fixiert. Möglich sind hier auch Wäscheklammern, Modellbau-Klemmen und ähnliches. Beachte aber, dass in diesem Vorgang sehr leicht Abdrücke entstehen können!
Ist die Form ausreichend fixiert, kommt das Ganze bei 100° Celsius in den Backofen. Fünf Minuten sollten mehr als genug sein, um dem Schaumstoff seine neue Form anzuerziehen. Prüfe das einfach regelmäßig und nimm dann den Schaumstoff heraus. Vorsicht: Heiß.

Den Schaft für den Spaten bauen

Kernstab und Matte kurz vor dem Aufrollen

Für den Schaft müssen wir zuerst den Kernstab vorbereiten. Diesen mit einer feinen Säge auf 32,5 cm ablängen. Nun die Spitzensicherung hinzufügen. Am Schaufelende sollte diese 5 cm lang sein und am Schaftende 2,5 cm. Wenn du hiervon abweichen möchtest, achte darauf dass die Gesamtlänge des Schaftes am Ende 40 cm betragen muss. Die Spitzensicherung baust du, in dem von dem starken Schaumstoff zwei Streifen (länge: 5 cm und 2,5cm) in der Breite des Kernstabdurchmessers (also i.d.R. 12 oder 14 mm) schneidest, und damit den Kernstab oben und unten verlängerst. Den Übergang zwischen Kernstab und Spitzensicherung umwickelst du mit dem mitgelieferten Kevlar-Band. Das Ganze fixierst du am besten mit ein wenig Panzertape, Heißkleber oder Ähnlichem.

So sehen die fertigen Schaft-Rohlinge aus.

Nun schneidest du ein rechteckiges Stück Schaumstoff in der Länge des Schaftes (also 40 cm). Je nach Schaumstoffdicke benötigst du 20 cm (8mm Schaumstoff) oder 30 cm (6mm Schaumstoff). Einfach das Aufrollen probieren, bevor du es abschneidest. Den Schaumstoff kleisterst du beidseitig großzügig mit LARP-Waffen-Kleber (auch genannt Pattex…) ein und lässt diesen 15 Minuten lang antrocknen (Test: Wenn du mit dem Finger draufpacken kannst und nicht mehr kleben bleibst ist der optimale Zeitpunkt zum verkleben erreicht). Den Kernstab kleisterst du ebenfalls ein und legst ihn an der Kante an. Zusätzlich kannst du ihn auch noch mit einer „Naht“ aus Heißkleber an der Außenseite fixieren. Wenn der Kleber genug angetrocknet ist, rollst du das Ganze mit viel Kraft auf!

Unwissende Zuschauer werden dir merkwürdige Blicke bei dieser Arbeit zuwerfen…

Als nächstes bringst du den Schaft in Form. Als erstes Schaue dir genau die Vorlage an. Markiere dir dann Stellen auf dem Rohling: 4 cm vom Schaftende, 17 cm vom Schaufelende. Beginne beim Schaftende, mit dem Cutter zu schnitzen. Eine scharfe Klinge ist hier unerlässlich, sonst sieht das Ganze am Ende grottig aus. Die 4 cm-Marke markiert das Ende des kugeligen Schaftendes, bei 17 cm von der Spitze beginnt die Verjüngung des Schaftes (dort, wo die Tülle der Schaufel später beginnt). Bedenke auch, dass du die Verjüngung etwas versenkt beginnen musst, damit die Tülle von 6mm Schaumstoff nicht zu sehr übersteht, am Ende. Schnitze nur die grobe Form vor. Anschließend verwende Schleifpapier oder einen Bandschleifer (ich habe es von Hand gemacht), um dem Schaft seine runde Form zu verpassen und die Schnittkanten vom Schnitzen zu „entschärfen“.

Die Rohlinge zur fertigen Grundform verbinden

Ist jetzt nicht so kompliziert. Einfach die Schaufel auf den Stiel anpassen, die unnötige Überlappung an einer Seite der Tülle wegschneiden und das Ganze testweise mit Panzertape fixieren. Wenn alles gut passt, die Tülle und den Teil der Schaufel mit Kontakt zum Schaft sowie den Schaft selbst mit deinem Kontaktkleber bestreichen und antrocknen lassen, dann festkleben. Es lohnt sich wirklich, eine saubere Verbindung vom Ende des Stiels zur Schaufel zu haben, da dies dem Schaufelblatt später die nötige Stabilität gibt. Wenn du den Eindruck hast, das Blatt könnte Ausreiß-gefährdet sein, kannst du es außerdem innen zusätzlich mit Panzertape verstärken. Eine weitere Fixierungsmöglichkeit sind Nähte aus Heißkleber entlang der Kante Stiel / Schaufelblatt.

Als letztes Schneidest den Übergang der beiden Flügel der Tülle so, dass dort keine harte, sechs Millimeter starke Kante vorhanden ist und schleifst diese leicht an. Außerdem kannst du die Schliffkanten der Saperka (ja, manche schleifen die an…) anschneiden und abschleifen.

Beim Festkleben gilt auch hier: Starker Druck und gut angetrockneter Kleber auf beiden Kontaktflächen ist wichtiger als die Menge.

Bei dieser Charge ragt die Stielspitze teilweise nicht weit genug in die Schaufel, weshalb ich sie zusätzlich verstärkt habe.

Latex und Top-Coat

Jetzt kommt der Latexüberzug. Bevor du aber mit dem latexen anfängst, solltest du den gesamten Rohling in Waffenkleber einstreichen, als Grundierung. Wenn alles gut verklebt ist und der Kleber einen Tag lang gut ausdünsten konnte, kannst du mit dem Latexen beginnen. Zuerst benötigst du schwarzes Latex als Grundierung. Und davon locker fünf bis zehn Schichten. Das Latex muss richtig schön deckend sein. Du kannst auch Schichten sparen, in dem du das Latex dick auftupfst (so, dass es komplett deckt). Aber Vorsicht: Wer Zeit sparen will riskiert die Schönheit des Endergebnisses. Denn bei dicken Schichten läuft das Latex an den Kanten Gefahr, „überzulaufen“ und dort Tropfnasen zu bilden. Fang auf jeden Fall mit einer dünnen Schicht an, da auf dieser die Folgeschichten besser haften. Lass jede Schicht unbedingt lang genug trocknen. Ist eine Schicht nicht ausreichend ausgelüftet, so kann diese unter der Folgeschicht später blasen werfen. Bei dünnen Schichten solltest du mindestens 2 Stunden warten, bei dicken Schichten mindestens 4.

Ist die Grundierung fertig, so tupfst du eine Schicht silbernes Latex (für eine möglichst dunkle Metalloptik) auf die Schaufeln. Die Schliffkanten kannst du mit mehreren Schichten silbernem Latex behandeln, da dort ja der Schutzlack sozusagen nicht mehr vorhanden ist. Dabei entweder tupfen oder aber Pinselstriche entlang der Schliffkante ziehen, um die Abnutzung der Kante zu pronouncieren.

Für die Holzoptik musst du wiederum viele Schichten einfarbiges Braun / Hellbraun auftragen, bis die schwarze Grundierung nicht mehr durchscheint. Anschließend trägst du eine Schicht auf, welche einige Nuancen heller ist als die darunterliegende. Solange diese noch nass ist, kannst du einzelne Schlieren mit der Pinselrückseite oder einem recht spitzen Stück Holz in das Latex ziehen, sodass die darunterliegende Schicht freigelegt wird. Wenn die angetrocknet ist, pinselst du nochmal mit dem trockenen Pinsel darüber um den Kontrast zwischen den beiden Schichten zu verringern, ohne die Schlieren ganz zu schließen. Anschließend trägst du nochmal eine Schicht, wiederum heller als zuvor, deckend auf. Wenn diese trocken ist, kannst du mit Pinselstrichen und den drei verschiedenen Farben unterschiedliche Stellen unterschiedlich hervorheben, also keine deckenden Schichten mehr. Am Ende nimmst du einen feinen Pinsel und ziehst mit schwarzem Latex Konturen nach, Vertiefungen und Beschädigungen hervor und nimmst eventuelle Korrekturen an der Schaufel vor.

Wenn das Ganze trocken ist, kann der Topcoat drauf. Einfach eine dünne Schicht gleichmäßig aufpinseln, ein paar Stunden trocknen lassen, fertig ist die Saperka. Am besten als Finish noch mit geeignetem Silikonspray oder Talkumpuder bearbeiten.

Wenn du keine Original-Tasche hast, solltest du dir eine nähen. Verwende diese Bilder dazu als Vorlage:

18 cm breit, 21 cm hoch, zwei Koppelschlaufen oben und ein Lederriehmen mit Schnalle zur Fixierung des Spatens in der Tasche

Für den nächsten Urrraaah!-Sturmangriff bist du jetzt bestens gerüstet 🙂

Wo kann ich einen Feldspaten kaufen?

Die echten (originalen) Feldspaten kannst du bei Amazon, eBay und diversen Militaria-Händlern kaufen. Der Preis liegt hier in der Regel zwischen 25 und 40 Euro. Du solltest auf jeden Fall darauf achten, ein Modell zu erwerben was dem Vorbild entspricht. Also keinerlei Klappspaten und keine NVA-Spaten mit Tasche in Strichtarn (Ein Strich – kein Strich). Spaten der Wehrmacht, Österreich, Schweiz und ähnliche sind in Ordnung, da sie leichter zu bekommen sind, aber nur solange sie optisch nicht zu stark abweichen. Hier einige Links:

Bezugsquellen für echte Saperkas:

Neben Originalen, die man immer wieder bei eBay finden kann, sind hier zwei Alternativen für moderne Produktionen gelistet. Denkt aber bitte daran, euch eine stilechte Hülle zuzulegen. Moderne Klett-Cordurahüllen passen leider nicht zu unserer Darstellung. Diese Hüllen findet ihr ebenfalls einzeln auf eBay oder könnt Sie einfach aus passendem Material selbst basteln. Die Vorlage dazu findet ihr oben in der Anleitung.

 

Gibt es Alternativen zum Feldspaten?

Es gibt auch anderes Schanzzeug, welches von der Infanterie Verwendung findet. Üblich wären zum Beispiel Hackebeile, also kleine Äxte oder Beile oder Spitzhacken. Diese Alternativen solltest du kurz mit der Orga abklären, da diese für einige Konzepte besser passen, als für andere – zum Beispiel Pioniere. Absolut empfehlenswertes Beispiel ist das kleine Beil von Freyhand. Es ist geschäumt und sieht täuschend echt aus und ist mit 29,90€ absolut bezahlbar.

Andere Alternativen sind Grabenmesser, Bajonette und andere Nahkampfwaffen im Stile des ersten Weltkriegs, also kurze Nagelkeulen, Stacheldrahtkeulen und vieles mehr. Dieses Video gibt einige Ideen für Alternativen und deren Verwendung:

 

Von einer echten Axt oder einem anderen scharfen, spitzen oder sonstwie gefährlichem Werkzeug am Gürtel raten wir dir natürlich ab.

 

 

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